Lichtschlag Bücher

Leseprobe: Geldreform: Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld

Einleitung

Wohl nichts schadet der freien Markt- und Gesellschaftsordnung und gefährdet die produktive und friedvolle Kooperation zwischen den Menschen national und international so sehr wie das staatlich beherrschte Kredit- und Geldsystem. Das Staatsgeldsystem ist ein Fremd- und Störfaktor im Gefüge freier Märkte und verursacht zwangsläufig Finanz- und Wirtschaftskrisen. Die mit ihnen verbundenen Missstände – Rezession und (Massen-) Arbeitslosigkeit – werden allerdings regelmäßig dem freien Marktsystem angelastet, obwohl es doch das Staatsgeldsystem ist, das für die Krisen verantwortlich ist.

Die falsche Diagnose der Krisenursache befördert falsche Maßnahmen: Um den Übelständen zu entkommen, die das Staatsgeldsystem verursacht, sorgen die staatlichen Zentralbanken mit ihrer Politik der Geldmengenausweitung für vorübergehende Scheinbesserungen, die dann nachfolgend zu umso schwereren Finanz- und Wirtschaftskrisen führen. Dem Versuch, das Staatsgeldsystem aufrechtzuerhalten, fallen immer mehr bürgerliche und unternehmerische Freiheiten zum Opfer. Die Gesellschaften verfangen sich im Gestrüpp des Interventionismus. Der Weg mündet in eine sozialistische Staats- und Befehlswirtschaft, die Unfreiheit, Gewalt und Elend bringt, und durch die das Geld letztlich zerstört wird.

Ob nun die Vereinigten Staaten von Amerika, die Volkswirtschaften in Europa, Lateinamerika oder Afrika: Sie alle haben sich einem Staatsgeldsystem verschrieben, in dem Geld durch Bankkredite sprichwörtlich aus dem Nichts produziert wird. Das Staatsgeldsystem schürt Fehlinvestitionen und (Staats-) Überschuldung und damit politische Anreize, das Geld durch Hyperinflation zu entwerten. Und daher ist sein Zusammenbruch unabwendbar, argumentierte der wohl bedeutendste Ökonom des 20. Jahrhunderts Ludwig von Mises (1881 – 1973), entweder im Zuge einer freiwilligen Beendigung des Staatsgeldes oder später im Zuge einer größeren wirtschaftlichen und politischen Katastrophe.

Dieses Buch will aufklären und zeigen, was gutes Geld ist, wie wichtig gutes Geld für die nachhaltig produktive und friedvolle (welt-)gesellschaftliche Entwicklung ist und auf welchen für viele nicht unmittelbar erkennbaren Wegen das herrschende Staatsgeld die Grundpfeiler einer freien Gesellschaft zerstört. Das Buch soll zeigen, dass das Staatsgeldsystem beendet werden muss, wollen die Gesellschaften auf den zivilisatorischen Pfad zurückkehren, der nachhaltig mit Freiheit und Wohlstand vereinbar ist: Das Staatsgeldsystem muss dann privatisiert, also durch ein freies Marktgeld ersetzt werden.

Das freie Marktgeld ist ein denkbar einfaches Arrangement: Es entsteht aus dem freien Angebot von und der freien Nachfrage nach Geld, ohne Dazutun und Manipulation des Staates oder irgendwelcher Interessengruppen. Freies Marktgeld fügt sich nahtlos ein in die Ordnung freier Märkte, die für materiellen und zivilisatorischen Fortschritt sorgt wie keine andere Wirtschaftsordnung. Freies Marktgeld ist daher nicht nur gutes Geld, sondern es macht Konjunkturverläufe auch weniger schwankungsanfällig, weil freies Marktgeld Fehlinvestitionen und damit Wirtschaftskrisen entgegenwirkt. Der Spielraum für wachstumsschädliche Marktinterventionen, die regelmäßig aus Wirtschafts- und Finanzkrisen erwachsen und diese anschließend hervorruft, wird zurückgedrängt. Damit wird auch die Bedrohung der Freiheit, die latente Gefahr monetärer Planwirtschaft, entschärft.

Beim Übergang zum freien Marktgeld würde der Tauschwert des Staatsgeldes – ob nun US-Dollar, Euro, japani-scher Yen, Britisches Pfund oder Schweizer Franken – vermutlich stark verfallen. Im Grunde würde jedoch solch ein Regimewechsel – ob nun herbeigeführt durch eine von Vernunft geleitete politische Entscheidung oder dadurch, dass die Marktakteure aus dem Staatsgeld fliehen – nur die Entwertung ans Tageslicht befördern, die bereits aufgelaufen ist, aber bislang verschleiert wurde.

Es wäre wirklich tragisch, wenn in der Öffentlichkeit nicht erkannt wird, dass das heute weltweit verbreitete Staatsgeldsystem nichts anderes ist als eine planwirtschaftliche Apparatur, die im Prinzip aus den gleichen Gründen scheitern muss wie die kommunistischen Experimente in Osteuropa im 20. Jahrhundert zuvor. Erkennt die Öffentlichkeit diesen Zusammenhang nicht, dann wird es künftigen Regierungen gelingen, auf den Trümmern des gescheiterten Staatsgeldes ein neues Staatsgeldsystem zu errichten. Damit das nicht passiert, ist Aufklärung nötig. Dieses Buch versucht, dazu einen konstruktiven Beitrag zu leisten.

Thorsten Polleit
Frankfurt, im Mai 2010
Michael von Prollius
Berlin, im Mai 2010

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