Sozialstaat als WohlstandsbremseEllen Kositza - Sezession Nr. 26, Oktober 2008 Gebauer ist eines der Pfunde, mit denen die libertäre Zeitschrift "eigentümlich frei" wuchern kann. Der Anwalt mit der geschmeidigen Feder ist eine schillernde Figur: Als Freund des freien Marktes veröffentlichte er Artikel und Kolumnen in der Chemnitzer Freien Presse und der FAZ, als Nebenjob gab er in Folgen der RTL-Sendung "Strafgericht" den Anwalt. Seine Netzseite www.make-love-not-law.de mit einer Sammlung seiner Traktate bietet einen lehrreichen, unterhaltsamen Grund- und Fortgeschrittenenkurs in Marktlogik und Steuerpolitik. Für den Begriff "Marktpolitik" hingegen hält Gebauer nur Spott bereit: "Zur Politik wird, was wir nicht für uns selber erledigen." Der Autor, Jahrgang 1964, sieht das individuelle Streben nach Profiterzielung als gleichsam anthropologische Konstante. Als Kontrahent des fleißigen Bürgers geriere sich heute der Staat. "Jeder produktive Akt eines einzelnen Menschen zieht sogleich eine Unzahl unproduktiver Staatsverwaltungsakte nach sich." In der Folge sinke mit dem Anwachsen der staatlich-bürokratischen Hindernisse der allgemeine Wohlstand. Gebauer nimmt Geldmarkt und Bankenwesen ebenso zielsicher aufs Korn wie das Rentensystem, die gegenwärtige Besteuerung nahezu jeder Lebensäußerung und - als Fachmann für Krankenhausrecht ist er da Spezialist -das Gesundheitswesen als "Verwaltungszwangsgemeinschaft." Erläutert wird anschaulich, gar blumig, wie sich die "naiven Blütenträumerien" der Sozialstaatsmacher als "eiskalt kalkulierte Rücksichtslosgkeit" enttarnen lassen. Der Staat als Bestie - nach der Lektüre glaubt mans. |